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Squeezer
Sklavenhalter

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  Ketten der Freiheit Datum:18.02.26 18:53 IP: gespeichert Moderator melden


Da, vielleicht tausend Meter entfernt, schwimmt die Dulcibella. Eine Galeere. Unser Heim. Wir werden sie nur noch tot verlassen, unser Körper wird zu Fischfutter werden. Irgendwann. Sollte sie im Sturm untergehen, gehen wir mit ihr, ans Schiff gefesselt teilen wir ihr Schicksal.

Und das alles freiwillig. FREIwillig. Frei und WILLIG. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht weil wir unser bisheriges Leben satt haben. Oder weil uns Schmerz und Schweiss high machen. Weil wir uns nicht mehr um unser Leben kümmern wollen, aber auch keine Lust haben, ihm ein Ende zu setzen. Oder dafür einfach zu feige sind. Keine Ahnung. Vielleicht von allem ein bisschen. Die Dulcibella ist unser Kloster. Lebenslang. Eine neue, eine kleine Welt. Meine Welt. Gleich.

Aber jetzt liegt sie einfach nur vor Anker, unschuldig liegt sie da, als wäre es ein ganz normales Schiff. Sie schaukelt einwenig im Wellengang. Und wartet auf uns. Auf uns, ihre Schicksalsgenossen. Auf uns, ihren Antrieb. Auf uns, einen Teil von ihr ohne den sie unvollständig ist.

Aber wir sind noch nicht bereit. Wir sind noch nicht fertig. Noch nicht angefertigt. Nackt stehen wir im Sonnenschein. Nackt und noch frei. Und ungebunden. Buchstäblich.

Und warten während die Gehilfen das Feuer schüren. Die Ketten bereit legen. Gleich ist es soweit, die Kohlen glühen schon weiss, kräftig pustet der Balg ins Feuer.

Der Gehilfe checkt ob mit uns alles in Ordnung ist, er hält uns nacheinander ein kleines Gerät in den Nacken, nickt und registriert uns. Der RFID-Chip sagt: alles in Ordnung.

Der Schmied, muskelbepackter freier Oberkörper, Lederhose und Stiefel, hängt sich seine Schürze um. Dann nickt er dem ersten zu. Der legt vier Bolzen mit den Spitzen ins Feuer. Der zweite auch. Und der Typ vor mir auch schon, dann heisst es wieder warten.

Da, der erste steigt auf den Block, breitbeinig steht er da, wartet auf die Hochzeit, die lebenslängliche Verbindung zwischen Körper und Eisen. Der Gehilfe langt nach der bereitliegenden Kette, legt die Halbringe um sein linkes Fussgelenk. Letzte Chance dem Schicksal zu entrinnen.

Aber der erste nickt. Da greift sich der Schmied mit einer langen Zange einen Bolzen, dessen Spitze rot glüht, steckt ihn durch die übereinander liegenden Ösen der Halbringe, ein Hammerschlag verformt die Spitze und ein Wasserguss besiegelt das Schicksal des ersten. Endgültig. Final. Kein Zurück. Schon legt der Gehilfe die Halbringe am anderen Ende der Kette um das rechte Fussgelenk, der Schmied angelt den nächsten Bolzen, zack, Guss, dann gehören beide Ringe und ihre Kette endgültig zum ersten. Bis zu seinem Ende. Bis sein Leben seinem Körper entweicht. Für den Rest seines Daseins. Vermutlich wird die Kette ihn bei weitem überdauern. Quasi eine Leihgabe. Vielleicht werden diese Ketten noch andere tragen wenn der erste längst Fischfutter ist. Kettenrecycling.

Aber dies ist nicht die Zeit, um über die Ewigkeit zu sinieren. Der Gehilfe hält mir vier Bolzen hin, ich bin der vierte in der Reihe. Ich nehme sie ihm ab und lege sie ins Feuer. Meine Bolzen. Mein Antrag, auch verkettet zu werden. Was, um alles in der Welt, tue ich da?

Und warum vier? Müssten es nicht fünf sein?

Jetzt legt der erste seine Hände auf den Block, der Gehilfe angelt nach der Kette und legt ihm die Halbringe ums Handgelenk, die am einen Ende der Kette montiert sind. Der Schmied holt den nächsten Bolzen, rot glüht die Spitze, weich ist das Metall. Nicht zu weich. Der Bolzen gleitet durch die Ösen, der Hammerschlag schafft Fakten, es zischt als das Wasser auf dem heißen Bolzen verdampft. Da hat der Gehilfe auch schon die anderen Halbringe in der Hand, legt sie um sein Gelenk, da kommt der glühende Bolzen, Zack, da endet die händische Freiheit des ersten. Fünfzehn Zentimeter, das ist die Strecke zwischen zwei Händen. Keinen Zentimeter mehr. Genau so lang wie die zwischen seinen Fussgelenken.

Aber noch ist er nicht fertig. Der Gehilfe bedeutet ihm, seinen Hals richtig auf den grossen Holzblock zu drapieren. Gleich, gleich trägt er auch das Zeichen seiner Sklaverei, für immer. Bis dass der Tod euch scheidet. Wir stehen fasziniert in der Schlange, sehen, wie aus einem freien Mann ein verketteter Sklave wird, mit ganzen vier Hammerschlägen. Vier Hammerschläge, die gleich jeden von uns zu einem Genossen des ersten machen werden. Vier Schläge, die ein Schicksal mit vielen anderen und einem Schiff verketten.

Und die Dulcibella nickt. So als wollte sie sagen: gut gemacht, Sklave. Jetzt hängst du an der Kette, so wie ich. Komm, komm in meinen Bauch, lass uns zusammen das Meer besiegen und dahin rudern wohin die Steuerfrau uns lenkt.

Aber noch ist es nicht soweit. Dem Sklaven an der Spitze der langen Schlange fehlt noch das wichtigste Teil. Das was ihn für immer als Sklaven ausweisen wird. Der fünfte Ring.

Da kommt ein anderer Gehilfe, er hat eine Maske auf, sein Kollege legt zwei Halbringe um den Hals des ersten, dann setzt der Gehilfe eine Schweissnaht, so werden die Halbringe zu einem ganzen Eisenring um den Hals des ersten Sklaven. Fertig ist er, schon steigt er vom Block, seine Ketten rasseln, sein Schritt ist kurz, fast wäre er gestürzt, stolz hält er seine Hände in die Höhe zum Zeichen: seht her, ich habe es geschafft. Dies ist das Ende meines freien Lebens, nun beginnt ein neues.

Ist er jetzt endlich fertig? Aber nein. Während der zweite auf den Block steigt, um sein Schicksal anzunehmen geht der erste vor dem dritten Gehilfen auf die Knie. Naja, ein Gehilfe ist das nicht, aber auch keine richtiger Friseur. Eher ein Schafscherer, der heute mal was anderes schert als Schafe. Meine Bolzen, meine, die, die mich gleich zu dem machen was der erste schon ist, beginnen zartrosa zu leuchten. Der erste Bolzen des zweiten ist auf dem Weg zur Hochzeit, zur Vereinigung der Halbringe, zum Ende der Freiheit eines Freien. Mit wenigen geübten, aber keineswegs vorsichtig gesetzten Bewegungen trennt der Schafscherer das Schaf von seiner Wolle. Den Sklaven von seinen Haaren. Kein Sklave hat das Recht, Haare zu tragen. Brusthaare, die Haare am Säckchen, sogar die Augenbrauen fallen der summenden Schermaschine zum Opfer. Wenn der Sklave vorher schon nackt war, dann ist er es nun erst recht.

Der Meister tritt einen Schritt zurück, nickt und bedeutet dem ersten, den Platz frei zu machen, denn den zweiten ziert bereits die stabile Eisenkette zwischen seinen Handgelenken. Auch er tritt nun in sein neues Leben ein, wir anderen stehen in der Schlange und warten bis auch wir dran sind. Bis wir den beiden in ein neues, ein gemeinsames Leben folgen werden.

Alles geschieht still und schweigend. Nur das gelegentliche Klirren der Ketten ist zu hören. Und das Zack des Schmieds wenn er Fakten schafft, das Zischen wenn Kühlwasser auf glühendes Eisen trifft. Das Summen der Schermaschine. Das Britzeln als der Schweisser die Naht auf den Halsring des zweiten setzt. Der, angefertigt wie er ist, steht auf und klackert mit kurzen, sehr kurzen Schritten zum wartenden Schafscherer.

Der Typ vor mir erklimmt den Block, gleich, gleich bin ich dran. Was aber wurde mit dem ersten? Er kniet vor einer dicken Amazone, eine tiefschwarze in kniehohen Lederstiefeln und mit viel Holz vor der Hütte. Die fädelt gerade eine Kette durch eine Öse des Halsrings des ersten, dreht ihn bis die Öse auf seiner Schulter liegt. So wird sie immer acht Sklaven auf ihre Kette fädeln, bevor ein solides Schloss das Oktett final aneinander bindet.

Und während der Schafscheerer sein haariges Werk beim zweiten verrichtet schmiegt sich kaltes Eisen um die Fussgelenke meines Vorgängers. Ich bin als nächstes dran, fast glaube ich, die Kette und ihre Ringe schon zu spüren. Die Spitzen meiner Bolzen leuchten glühend rot, meine beiden Ketten und der Halsring mit der Öse liegen schon bereit. Gleich sind wir dran, wartet, es wird kommen wie es kommen muss. Oder ziehe ich zurück? Laufe ich weg? Noch, noch ist Zeit, dem Wahnsinn zu entgehen. Willst du DAS wirklich? Es ist eine endgültige Entscheidung. Meine. Ich verlasse die Welt der Freien, der Menschen des 21. Jahrhunderts, und beginne ein neues Leben. Keine Rückkehr. Niemals. Ich werde Sklave. Rudersklave auf einer Galeere. Verkettet. Geschoren. Angekettet. Quasi lebendig begraben. Mich erwarten harte Arbeit, Anstrengung, Schweiss, Schmerz, klirrende Ketten, Eintönigkeit und Langeweile, Hitze und vielleicht auch Kälte, Peitschenhiebe, Seekrankheit, Erschöpfung und Müdigkeit, alles das wartet auf uns. Auf mich. Will ich das wirklich?

Der dritte kniet um seinen Halsring entgegen zu nehmen, das Gas aus dem Schweissgerät zischt als könnte es es nicht mehr erwarten, ein Schicksal zu besiegeln.

Der zweite, kahlgeschoren und verkettet, kniet hinter dem ersten als die Amazone ihre Kette auch durch die Öse an seinem Halsring fädelt. Nicht mehr lange und ich werde auch dort knien.

Dann ist der dritte fertig. Stolz steht er auf, ein breites Grinsen im Gesicht. Er hat es geschafft, sein altes Leben erfolgreich hinter sich gelassen. Fortan wird er keinen Namen mehr haben, nur noch eine Nummer. Er wird nur noch eine Nummer sein. Eine, die man ihm bereits in den RFID-Chip programmiert hat. Alles liegt hinter ihm, und eine neue Welt vor ihm. Man sieht ihm an, dass er sich genau darauf freut als er vor dem Schafscheerer artig in die Knie geht.

Und ich? Nun bin ich dran. Jetzt gehts los. Mit zitternden Knien steige ich auf den Block...

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von Squeezer am 21.02.26 um 16:43 geändert
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Gutverpackt
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  RE: Ketten der Freiheit Datum:19.02.26 08:28 IP: gespeichert Moderator melden


Auf in eine neue Welt, gerne mehr davon
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Glatzkopf
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Backnang




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  RE: Ketten der Freiheit Datum:19.02.26 08:39 IP: gespeichert Moderator melden


Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht.
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Squeezer
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  RE: Ketten der Freiheit Datum:24.02.26 23:58 IP: gespeichert Moderator melden


Unglaublich! Ich bin Sklave! Vier Hammerschläge und die Ketten gehören zu mir, wie meine Hände, wie meine Füsse, und dann der Ring um meinen Hals mit den beiden Ösen, nicht zu fassen. Ich bin nicht mehr einer von denen, die da in der Schlange stehen und auf ihr eisernes Schicksal warten, ich bin einer von ihnen, die schweres Eisen tragen, für immer, bis ans Ende meines Lebens - unglaublich! Und von einem Moment auf den nächsten wurde ich von einem freien Menschen zu einem Sklaven, zu einem Rudersklaven um genau zu sein. Zack! Was für ein Moment!

Ich steige vom Block, die Kettenglieder klirren, ungewohnt nur kleine Schritte machen zu können, nach 15cm ist Schluss. Ich spüre den Ring um meinen Hals, ich bin nicht mehr nackt, meine Kleidung ist aus Eisen und sie deckt mich wenig. Wahnsinn! Es gibt kein Zurück mehr, mein altes Leben liegt jenseits des Blocks, keine Zeit um ihm nachzutrauern, schon sinke ich in die Knie, spüre die Maschine auf meinem Kopf herum fahren, die Büschel fallen um mich herum, meine Haare, die letzte Erinnerung, da liegen die im Staub. Fertig. Ich stehe auf, die Ketten klirren, schlurfe hinüber zu den anderen dreien, wo die Amazone schon auf mich wartet, die Kette in der Hand, wieder gehe ich in die Knie, sie steht genau vor mir, schwarze, glänzende, verschwitzte Haut, mit zwei Handgriffen fädelt sie meinen Halsring, mein bisschen Dasein auf die Laufkette, dann steht sie hinter mir und wartet auf den nächsten. Wir, alle vier, gleich fünf, sechs, sieben, quasi in Uniform, Status eines Kettensklavens, wie schnell ging das, und wie endgültig ist das. Ich bin Nummer vier an der Kette und hinter mir gesellt sich gerade Nummer fünf zu uns. Noch zwei, dann wird die Amazone den letzten mit einem soliden Schloss ans Ende der Kette fesseln, fertig. Buchstäblich fertig.

Da knien wir also, ein Oktett in Eisen, nicht mehr acht Einzelne, sondern ein einziger Organismus, in dem der Eine nichts ohne die anderen kann. Nichts. Gar nichts. Fünfzehn Zentimeter. Mehr nicht. Und das auch nur auf fremde Weisung. Ich habe nicht die Herrschaft über meinen Körper, nicht einmal über diese lumpigen fünfzehn Zentimeter!

Neugierig verfolgen wir, wie sie eine neue Kette bereit legt und den ersten Sklaven dafür erwartet, er ist schon beim Gleichmacher. Wir alle sind gleich, austauschbar, buchstäblich nicht mehr als eine Nummer, kaum voneinander zu unterscheiden. Drohnen, reduziert auf das Wesentliche. Unterscheiden uns wenig von Ackergäulen, die auch nicht denken, sondern auf Kommando nur funktionieren müssen.

Wir sind nackt und angekettet, und doch bekleidet und frei von unserem vorherigen Leben. Wie schnell das geht, welche Routine, Zack, zack, zack zack, und wieder ist aus einem freien Menschen ein Sklave geworden. Summ summ summ, nichts erinnert mehr an den Mann der er mal war. Nichtmal seine Freunde würden ihn vermutlich so erkennen, und wenn, dann würden sie keinen Finger rühren, ihn vor der Sklaverei zu retten. Denn: es ist zu spät dafür.

Schon kniet ein zweites Oktett im Staub des Parkplatzes, der heute zum Schauplatz einer sechzigfachen Wiedergeburt wird. Aus sechzig freien Männern werden sechzig Kettenträger.

Und ich bin einer von ihnen.

Wie Gabeln in einer Besteckschublade werden wir zusammen geschoben, die Laufkette, die mich mit dem Schicksal vor- und hinter mir verbindet, ist kurz. Wir alle schwitzen in der gnadenlosen Sonne. Wir knien, auch so ein Zeichen unserer Unterwerfung unter die nachtschwarzen Gestalten, ausgerechnet Frauen, die unsere, ja meine Zukunft bestimmen werden. Amazonen, schwarz, Haut, Stiefel, Leder, Peitsche. Ein Sinnbild für Beherrschung, Dominanz, Bestimmung.

Und was für ein Kontrast: inmitten all dieser Szenerie aus Leder, Haut und Eisen eine junge tiefschwarze Frau in T-Shirt, kurzer Jeans und Sneakern. Rastalöckchen. Nubierin? Zentral Afrika? Zu dunkel für Algerien, Ägypten, Marokko. Vielleicht Nigeria? Gambia? Was will die denn hier? Sie stört das Bild, wie eine Armbanduhr in einem Mittelalterfilm. Und doch irgendwie nicht. Sie ist doch irgendwie wie die anderen. Sie braucht keine Stiefel, keine Peitsche um uns, die wir uns unterwerfen, zu beherrschen. Kein Zweifel, auch sie ist eine Amazone. Sie gehört dazu. In Zivil. Nicht nur weil sie schwarz wie die anderen ist, nicht nur weil sie eine Frau ist, sondern weil sie so dominant wie die anderen, aber sich doch dessen offenbar kaum bewusst ist. Aus diesem Küken wird eine Herrscherin werden. Noch ist sie Mädchen, gleich wird sie Löwin sein, sie wird ihre Brut beherrschen, sanft, subtil, ganz ohne die Peitsche, die hat sie nicht nötig. Ein Blick wird genügen und Widerstand wird schmelzen wie Butter in der Sonne. Von ihr die Peitsche zu spüren wird wie eine Umarmung, eine Auszeichnung sein. Bin ich in sie verliebt? Nein, ich bin fasziniert. Vom Kontrast dieser alltäglichen Frau zu dem ihrer Rolle, die sie gleich einnehmen wird wie eine zweite Haut. Mehr nicht. Eine subtile Beherrscherin. Was mir als Freier nicht eingefallen wäre, als Sklave akzeptiere ich ihre natürliche Autorität. Warum bloß?

Mittlerweile hat die Amazone die fünfte Laufkette aufgemacht. Ein Sklave nach dem anderen, eine entmenschlichte, nein, das stimmt nicht, eine entpersonalisierte Drohne nach der anderen lässt sich bereitwillig an die Kette am Hals nehmen - gibt es das Wort entsubjektivieren eigentlich? Denn genau das ist was hier geschieht. Aus Subjekten werden einer nach dem anderen Objekte. Sklaven eben. Gleich gemacht so wie es eben geht. Vierzig, fünfzig Figuren im Staub eines Parkplatzes am Rande eines kleinen Dorfes irgendwo an der Küste.

Und über all dem schwebt der Geist eines Schiffes, der besondere Geist eines besonderen Schiffes, das uns gleich aufnehmen und nicht lebend wieder freigeben wird. Wir werden in seinem Bauch verschwinden wie eine umgekehrte Geburt. Wie in einem schwarzen Loch. Doch vorher wird alles noch ein letztes Mal sein: der Parkplatz, das Laufen, der blaue Himmel, die Menschen, die uns angaffen, die Sonne, alles zum letzten Mal. Nicht mehr lange und all das wird Vergangenheit sein, wenn wir im Bauch des Schiffes angekettet sein werden, in ewigem Dämmerlicht, zu sechzig verschwitzten, ausgepumpten, schmerzenden, durstigen, unbefriedigten Leibern, und sonst nichts mehr. Gleich, dann ist alles, was gerade noch selbstverständlich war, vorbei. Endgültig vorbei. Vergangenheit. In einem anderen Leben. Auf einem gefühlt anderen Stern.

Noch ein letztes Mal Himmel. Noch einmal Sonnenlicht. Noch einmal Laufen. Ein letztes Mal Landschaft. Gleich wird all das für immer vorbei sein. Vorbei wie mein bisheriges Leben. Ein kleiner Tod. Nicht mehr lange und ich werde nichts mehr als einer von sechzig Kolben sein, die unter der Motorhaube Teil einer Maschine in der Dunkelheit eines Schiffsbauchs sein werden. Noch einmal tief durchatmen, die Luft der Freiheit atmen, Luft wie eine Sache, die einem nicht mehr gehört. Ich habe alles verschenkt was mir mal gehörte, jetzt gehört mir nicht mal die Luft der Freien.

Der letzte steigt vom Block, noch einmal tut der unerbittliche Schafscherer seinen Dienst, zum letzten Mal schlurft ein frisch geborener Sklave zum Ende der Halskette, fällt vor der ungeduldig wartenden Amazone auf die Knie und lässt sich willig anschliessen. Klick macht das letzte Schloss. Fertig. Buchstäblich.

Ende des ersten Akts.



[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von Squeezer am 25.02.26 um 00:07 geändert
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